Beef unter Freunden – Fleischgenuss und Tierwohl sind bei Auenland Beef kein Widerspruch

Auenland Beef Logo

Von der Masse absetzen, indem ständig innovative Produkte in den Markt eingeführt werden. Klingt einleuchtend. Klingt nach High-Tech-Marktführer. Aber nicht unbedingt nach Bauernhof. Genau das macht aber Auenland Beef aus: Landwirtschaftsbetrieb sein und Innovator.

Auenland Beef, das ist im Grunde genommen die Aurachsmühle bei Hofheim, Landkreis Haßberge. Ein Bauernhof mit Direktverkauf von Rindfleisch, wie es viele gibt. Die Aurachsmühle unterscheidet sich aber von anderen Landwirtschaftsbetrieben. Die Digitalisierung und der gesellschaftliche Wandel werden hier sehr ernst genommen.

Im Gespräch mit Jonathan Eller, dem Junior-Chef von Auenland Beef, kommt immer wieder seine „Frühe Vogel“-Mentalität durch. Ihm reicht es nicht, Trends zu adaptieren. Er will die Trends setzen. Nur auf den fahrenden Zug aufspringen? Nicht sein Ding. Das zeigt sich unter anderem bei der für einen Direktvermarkter ungewöhnlichen Marketingstrategie, dem Vertrieb und den Produkten, die Auenland Beef anbietet.

Die Philosopohie von Auenland Beef: Tierwohl, Regionalität, Qualität

2007 begann Joanathan Ellers Vater Georg, Rinder an der Aurachsmühle zu züchten. Zunächst als Hobby mit nur wenigen Tieren. Heute sind es ca. 250. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren ist für den hauptberuflichen Tierarzt und seinen Sohn dabei selbstverständlich.

Mutterkuhhaltung, durchgehend Weidegang, offene Ställe. Die Rinder sollen sich wohlfühlen, unnötiger Stress vermieden werden. Die Ellers setzen keine Antibiotika ein. Tierarzt und Senior-Chef Georg Eller sorgt für die bestmögliche medizinische Versorgung. Zu fressen bekommen die Rinder ausschließlich gentechnikfreies Futter aus der Region. Frisches Weidegras und Heu statt Soja aus Übersee. Das Stichwort „kurze Wege“ fällt oft, wenn man mit Jonathan Eller spricht. Alles soll aus der Region kommen und in der Region bleiben.

Auenland Beef Rinder
Die Rinder der französischen Rasse Blonde d’Aquitaine können sich auf dem Hof der Ellers das ganze Jahr über frei bewegen. Die Rinder sind nicht einfach zu züchten, fühlen sich dort aber sichtlich wohl.

Auch die Schlachtung der Rinder erfolgt nicht weit vom Hof entfernt. Auenland Beef arbeitet dafür mit einem kleinen Familienbetrieb zusammen. Alles andere – die Weiterverarbeitung und der Verkauf – erfolgen direkt vor Ort.

Mit alldem erreichen die Ellers eine hervorragende Produktqualität. Die Prozesse dahinter sind transparent. Wer will, kann sich selbst auf dem Hof davon überzeugen, wie die Tiere hier leben. Man hat den Eindruck, wenn man Fleisch mit gutem Gewissen essen kann, dann von hier.

Die Marke – „Qualität alleine ist nicht alles, man braucht eine Strategie“

Regionale Produkte stehen hoch im Kurs. Die Qualität und Herkunft von Lebensmitteln gewinnt für Verbraucher an Bedeutung. Dafür sind die Leute mittlerweile auch bereit, tiefer in die Taschen zu greifen. Regionale Hersteller mit hochwertigen Produkten gibt es aber viele. Das weiß auch Jonathan Eller.

Die Gesellschaft ist im Umbruch. Die Leute informieren sich stärker, das Bewusstsein wächst.

So kam er irgendwann zusammen mit seinem Vater Georg an den Punkt, an dem eine Entscheidung her musste: Bleibt die Rinderzucht ein Hobby oder machen sie ernst? Sie entschieden sich für Letzteres. Und das hieß vor allem eines: Investieren.

Jonathan Eller hat BWL in Bamberg studiert, Schwerpunkt Controlling. Er kann mit Zahlen. Und er hatte eine genaue Vorstellung davon, was nötig war, um aus der Hobbyzucht ein erfolgreiches Unternehmen zu machen. Neue Stallungen und mehr Rinder alleine würden dafür nicht ausreichen. Der Betriebswirt wusste: Eine Marke muss her. Auenland Beef war geboren. Das war 2015.

Zusammen mit einer Kreativagentur haben die Ellers die Marke samt Logo und Website entworfen. „Ein professioneller Auftritt nach Außen ist viel wert“, sagt Jonathan Eller. Auenland Beef setzt sich damit von den vielen anderen Direktvermarktern ab. „Die Qualität alleine ist nicht alles. Man braucht in der heutigen Zeit eine Strategie, um das Ganze auch zu vermarkten.“

Auenland Beef: Schlemmen wie bei Frodo und Bilbo

Den Namen hat sich Jonathan Eller aber selbst ausgedacht. Auenland? Wie die Heimat der Hobbits in Herr der Ringe? Ja, er ist ein Fan von Tolkien, gibt er zu. Und wer die Hobbits kennt, weiß, dass im Auenland der Genuss im Vordergrund steht. Die Wahl des Namens ist durchaus nachvollziehbar: Über eine Biersalami oder einen Zwetschgenbames würden sich Bilbo und Frodo sicher freuen. Und Sam Gamdschie erst…

Der Name Auenland Beef hat aber noch einen anderen Hintergrund. Oder besser gesagt: eine Umgebung. Die Mühle der Ellers steht in einem Wiesengrund. Vorbei fließt die namensgebende Aurach, die bei Rügheim in die Nassach mündet und dann bei Haßfurt in den Main. Ringsherum alles grün. Ein echtes Auenland also, am Fuße der Haßberge.

Das Fleisch und seine „Veredelung“

Beef Jerky von Auenland Beef
Eines der angesagten Produkte von Auenland Beef: Beef Jerky. Das Rindfleisch wird dafür in Streifen geschnitten, gewürzt und getrocknet.

Und genau hier fühlen sich die Rinder der französischen Rasse Blonde d’Aquitaine wohl. Die „Blonden“ sind in Deutschland eher unbekannt. Außer unter Züchtern und Feinschmeckern. Die Tiere sind anspruchsvoll, die Zucht ist nicht einfach. Die Mühe lohnt sich aber.

Das Fleisch der Blonde d’Aquitaine ist fein marmoriert, wie man es vom berühmteren Wagyu Beef kennt. Fettauflagerungen gibt es wenig. Kurze Fasern und wenig Kollagen sorgen dafür, dass es besonders zart ist. Fett- und cholesterinarm ist es außerdem. „Zehnmal besser als Schweinefleisch“, schwärmt Jonathan Eller. Ihm geht es auch um die gesundheitlichen Aspekte für seine Kunden.

Die wollen aber nicht nur gutes Fleisch, sondern auch fertige Produkte. Neue und bewährte. „Viele wissen gar nicht, was sie mit einem Stück Braten anstellen sollen“, sagt Eller. Und deshalb übernimmt es Auenland Beef selbst, das Fleisch zu hochwertigen Produkten zu verarbeiten. Der Junior-Chef ganz der Verkäufer: „Wir veredeln unser Fleisch“.

Dafür wurden zwei Köche angestellt, die sich in der eigens dafür angeschafften Großküche auf dem Hof ausleben können. Bier- und Weinsalami, Beef Jerky, Pastrami, Pulled Beef im Glas. Keine typischen Bauernhofprodukte. Innovativ eben. Ein wirklich pfiffiges Schmankerl sind die „Blonden Zipfel“: Typisch fränkische Blaue Zipfel aus Bratwürsten vom Blonde d’Aquitaine.

Sieht man sich in der Großküche von Auenland Beef um, fällt ein Gerät besonders auf. „Haben wir aus Frankreich importiert“, sagt Jonathan Eller stolz. „So was gibt es in Deutschland gar nicht.“ Es ist eine vollautomatische Burger-Presse mit integriertem Kühler. Die hat er sich einiges kosten lassen. Oben Fleisch und Gewürze rein, unten fertig geformte, gekühlte Burger-Patties raus. Die gibt es dann frisch oder schockgefrostet ab Hof zu kaufen. Mitsamt der passenden, hausgemachten Burger-Sauce.

Der Vertrieb – Hofladen, Regio-Theke? Beef-Station, Online-Shop!

Der klassische Hofverkauf wird aber immer schwieriger, die Kunden immer bequemer. Auch hierfür hatten die Ellers eine Idee: Neben dem Hofladen gibt es eine Beef Station: einen Automaten, in dem rund um die Uhr Produkte von Auenland Beef zum Verkauf stehen.

Das zweite Vertriebsstandbein ist die „REWE Regionaltheke“. In den Märkten in Haßfurt, Ebelsbach und Sand am Main liegt das regionale Premium Beef neben dem herkömmlichen Rindfleisch zum Verkauf aus. Außerdem beliefert Jonathan Eller Gastronomie-Partner aus dem Umkreis, die einen hohen Qualitätsanspruch haben, mit seinem Fleisch. Auch einen Catering-Service gibt es mittlerweile.

Ob man sich den Vertrieb über die Grenzen der Region hinaus vorstellen kann? Sicher. Der Online-Shop ist schon in Planung und soll in den nächsten Wochen live gehen. „Das ist zwingend notwendig“, sagt der Junior-Chef. „Dem Internet kann man sich nicht verschließen.“ Erste Fleischpakete hat er bereits deutschlandweit per Post verschickt. In eigens entworfenen Isolierverpackungen aus Stroh, gekühlt mit gefrorenem Wasser. „Keine Chemie, alles natürlich.“ Sogar die Verpackung ist innovativ.

Jonathan Eller ist umtriebig. Er will – und muss – immer Neues ausprobieren. Neue Produkte, neue Vertriebswege. Ich würde mich nicht wundern, käme das Fleisch von Auenland Beef irgendwann per Drohne nach Hause. Nächste Geschäftsidee: der „Auenland Beefocopter“. Doro Bär lässt grüßen.

 

 

 

 

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2 Thoughts to “Beef unter Freunden – Fleischgenuss und Tierwohl sind bei Auenland Beef kein Widerspruch”

  1. Norbert

    Echt sehr cool! Und zum Thema neue Vertriebswege: Wie wär’s denn mit dem Beefträger vom Böhmi?

    1. 😂 ich schlag es den Ellers mal vor beim nächsten Besuch

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