MyCoffeebag-Gründer: „Wir hätten nicht gedacht, dass es so einen Run auf dieses Produkt gibt.“

Über 3,7 Milliarden Euro Umsatz wurden 2017 in Deutschland mit Röstkaffee erzielt. Ein ziemlich großer Kuchen. Und er wird immer größer. Die Deutschen lieben Kaffee. Und sorry, aber: Sie lieben ihn mehr als Bier. Nachvollziehbar, dass sich in diesem Markt zig Unternehmen tummeln – etablierte Konzerne und neue Player mit frischen Ideen. Alle wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. So wie MyCoffeebag aus Salz, nahe Bad Neustadt, Landkreis Rhön-Grabfeld. Die Idee der MyCoffeebag-Gründer: Mini-Filter für die Kaffeetasse zur Einzelaufbrühung befüllt mit qualitativ hochwertigem Filterkaffee.

Aber den Markt erobern mit Filterkaffee?

Ganz richtig. Denn erstens lieben die Deutschen nicht irgendwelchen Kaffee. Zwei Drittel bevorzugen tatsächlich den guten, alten Filterkaffee. Und zweitens treffen die Mini-Einmal-Kaffeefilter in der eleganten Verpackung so dermaßen den retro-schicken Nerv der Zeit, dass man sich fragt: Warum ist da vorher niemand drauf gekommen?

Tatsächlich gibt es einen Konkurrenten aus Hamburg, der ein vergleichbares Produkt herstellt. Aber Gründer Alexander Streck ist überzeugt: „Wir sind besser!“

MyCoffeebag: vom Filterkaffee der Zukunft zum Werbeartikel des Jahres

Gegründet wurde MyCoffeebag 2015 von Alexander Streck, Stefan Wolf und Martin Ziegler. Streck, Chef der Werbeagentur Evoworkx Media, ist heute alleiniger Inhaber. Ursprünglich war MyCoffeebag eine Marke unter dem Dach der Agentur. Das Geschäft läuft aber so gut, dass MyCoffeebag zum 01.01.2018 in eine eigenständige Gesellschaft ausgegründet worden ist. Es gehen mittlerweile so viele Anfragen ein, dass Streck und sein Team die Nachfrage nach Coffee Bags  gar nicht gänzlich bedienen können. Streck gesteht: „Wir hätten nicht gedacht, dass es so einen Run auf dieses Produkt gibt.“

Dazu ein paar aktuelle Zahlen:

  • Zehn Mitarbeiter arbeiten derzeit für MyCoffeebag, acht in der Produktion, zwei für Marketing und Vertrieb.
  • Im Weihnachtsgeschäft 2017 wurde in drei Schichten produziert.
  • Durchschnittlich werden etwa 80.000 Coffee Bags im Monat verkauft.
  • In der Anfangszeit waren es auch mal nur zwei Bestellungen pro Woche.
  • 35.000 Endkunden kaufen regelmäßig die Mini-Einmal-Kaffeefilter.

„MyCoffeebag brüht den Filterkaffee der Zukunft“, titelte ein Gründermagazin 2015. Seitdem hat sich Einiges getan. Anfangs ist das Unternehmen sehr langsam gewachsen. Verkauft wurde nur über den eigenen Online-Shop. Als „kleines, feines Start-up“ beschreibt Alexander Streck MyCoffeebag zu Gründungszeiten. Der Boom kam dann durch Anfragen aus der Werbemittelindustrie. Die entdeckte die einzeln verpackten Kaffeefilter als Streuartikel. Und so machen heute Unternehmen – zumindest nach Zahl der verkauften Coffee Bags – den Großteil der Kundschaft aus. Auch Google laut Streck gehört zu dem Abnehmern.

2017 erhielt MyCoffeebag sogar einen „Promotional Gift Award“ als Werbeartikel des Jahres.

„Wir sind von hochwertigem Filterkaffee total überzeugt“

mycoffeebag-Gründer Alexander Streck
mycoffeebag-Gründer Alexander Streck: „Wir haben einen astreinen Kaffee mit sehr hoher Qualität.“

Der Inhalt der Coffee Bags ist zugleich auch der Kern des Erfolgs. Drei Produktlinien mit acht verschiedenen Kaffeesorten sind derzeit im Angebot. Es gibt zwei Bio-Sorten. Eine Direct-Trade-Sorte ist in Planung. Der Kaffee kommt von spezialisierten Röstern in Deutschland. Einer davon befindet sich quasi in der Nachbarschaft. Keine fünf Kilometer entfernt, in Brendlorenzen, röstet „Rhön Kaffee Bühners Rösterei“ die Bohnen für die Everyday-Produktlinie.

Apropos Bohnen: Die kommen aus den „besten Kaffeeanbaugebieten der Welt“. Sie werden von den Röstern handverlesen und im Trommelröstverfahren geröstet. Danach geht’s ab in die Coffee Bags und dann in einen Aromabeutel. „Volle Entfaltung der Aromen. Reinster Kaffeegenuss.“ Besser könnte die Coffee Bags auch der Melitta-Mann nicht verkaufen.

Im Gespräch mit Alexander Streck wird eines deutlich: Der Mann muss mittlerweile Kaffee im Blut haben. „Wir sind von hochwertigem Filterkaffee total überzeugt“, sagt er und zählt die Vorteile gegenüber Vollautomaten oder Kapselmaschinen auf. „Wir haben einen astreinen Kaffee mit sehr hoher Qualität.“ Der Werbestratege kommt oft durch. Dem Erfolg des Produkts schadet das sicher nicht.

Coffee Bags zur Tea Time

Alexander Streck hat noch viel vor mit MyCoffeebag. Unter anderem soll es in diesem Jahr einen eigenen Adventskalender mit 24 verschiedenen Kaffeesorten geben. Auch über ein Abo-Angebot für Endkunden denkt man nach. Da Firmenkunden die größten Abnehmer sind, werden Fachmessen 2018 eine wichtige Rolle für Vertrieb und Marketing spielen.

Streck wagt außerdem einen Coup. Mit der Expansion nach Großbritannien will er den nächsten Meilenstein für sein Unternehmen setzen.

„Wir begeben uns mit unseren Coffee Bags quasi in das Land der Teetrinker“. Coffee Bags zur Tea Time also – das zeugt von einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein. Und auch ein bisschen Stolz hört man heraus, wenn Alexander Streck über die Expansionspläne spricht. Skepsis klingt anders.

 

Wir haben analysiert, welche Märkte wir relativ gut und schnell beliefern können. Ganz wichtig ist für uns dieses Jahr die Expansion nach UK. Wir begeben uns mit unseren Coffee Bags quasi in das Land der Teetrinker.

 

Ursprünglich hatte man an Italien gedacht, um mit MyCoffeebag in Europa zu expandieren. Recherchen und Analysen haben aber gezeigt, erklärt Streck, dass Großbritannien der interessanteste Markt ist. Auch Internet-Riese Amazon hat dabei geholfen zu ermitteln, wo die Chancen am besten sind. Man darf also davon ausgehen, dass der Schritt gut durchdacht ist.

Ob es ein Erfolg wird, könne er nicht sagen, wiegelt der Gründer ab. Und auch wenn es vielleicht so klingt: Zweifel hört man bei diesem Satz nicht heraus. Vielmehr klingt Streck dabei so, als freue er sich auf einen längeren Abenteuerurlaub. Sicher mit ein paar Coffee Bags aus der Activity-Serie im Rucksack. Zielgruppe: Sport- und Outdoor-Enthusiasten.

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