Deutschland-Studie des ZDF: Stadt Schweinfurt unsicher und schmutzig?

Main-Rhön ZDF-Deutschland-Studie

Es gibt wieder mal eine Studie zur Lebensqualität in allen deutschen Städten und Landkreisen. Diesmal von der Prognos AG im Auftrag des ZDF. Wie immer schneiden die Stadt- und Landkreise der Region Main-Rhön hier sehr unterschiedlich ab.

Aber keine Panik. Erstens ist auch in den Regionen, die im Ranking hinten landen, nicht alles schlecht. Und zweitens darf man sich beim Anblick der Kriterien, die zur Messung der Lebensqualität herangezogen wurden, auch mal die Frage nach deren Sinnhaftigkeit stellen.

So schneiden die Landkreise der Region Main-Rhön ab

Die erfreulichen Nachrichten vorab: Der Landkreis Bad Kissingen landet im Gesamtranking der Lebensqualität auf Platz 32 – von insgesamt 401 Landkreisen und Städten. Obere zehn Prozent! Aber Hallo. Verantwortlich dafür ist vor allem eine sehr gute Platzierung im Bereich Gesundheit und Sicherheit. Gründe laut Studie unter anderem: wenige Wohnungseinbrüche, saubere Luft und Deutschlands Nummer Eins bei der Rehaklinikendichte. Yay!

Auch Rhön-Grabfeld schneidet mit einem guten Rang 80 ab und landet damit im vorderen Fünftel. Was aber etwas irritiert: nur Platz 122 im Bereich Freizeit und Natur. Die Rhön! Hallo!! Ein Schuldiger ist schnell gefunden: Wasser. Genauer gesagt: zu wenig davon. Platz 400 (von 401) beim Anteil der Wasserfläche an der Gesamtfläche. Und auch der prozentuale Anteil der Erholungsfläche im Landkreis sei gering. Das will irgendwie nicht so richtig einleuchten. Dazu kommen vergleichsweise wenige Sonnenstunden pro Jahr. Aha…

Die Studie nimmt aber noch seltsamere Auswüchse an.

Die Stadt Schweinfurt nämlich landet insgesamt auf Platz 305. Obwohl es die viertreichste Stadt in Deutschland ist. Sagt zumindest eine andere Studie. Besonders schlecht schneidet Schweinfurt in der ZDF-Deutschland-Studie im Bereich Gesundheit und Sicherheit ab. Niedrige Lebenswartung der Bürger, hohe Altersarmut, viele Tote und Verletzte im Straßenverkehr, schlechte Luft und viele Gewaltverbrechen. Gut, das ist jetzt vielleicht etwas dramatisiert, aber unterm Strich sind das laut Studie die Gründe. Klingt irgendwie nicht nach bayerischem Oberzentrum.

Wahlbeteiligung und Eheschließungen als Indikator für Lebensqualität im Bereich Freizeit & Natur?

Eine erfreuliche Nachricht gibt es aber noch: Der Landkreis Schweinfurt, der sonst immer irgendwie außen vor ist, erreicht die insgesamt beste Platzierung aller Stadt- und Landkreise der Region Main-Rhön. Zumindest in einem Teilbereich. Insgesamt vorderes Drittel, aber im Bereich Arbeit und Wohnen Platz zehn. Top Ten, deutschlandweit! Unter anderem aufgrund der niedrigen Quote privater Schuldner.

Auffällig ist die extrem schlechte Platzierung des Landkreises Schweinfurt im Bereich Freizeit und Natur. Auch hier mit schuld: wenig Wasser. Trotz Main und Unterfrankens größtem Badesee! Noch schlechter wirken sich allerdings die vergleichsweise wenigen Eheschließungen aus. Zum Positiven abschwächen kann das aber die hohe Wahlbeteiligung bei Bundestags- und Kommunalwahlen. Moment mal: Eheschließungen und Wahlbeteiligung? Was sagt das denn bitte über die Lebensqualität aus? Im Bereich Freizeit und Natur!

Um die Region Main-Rhön zu komplettieren: Der Landkreis Haßberge landet deutschlandweit auch im vorderen Drittel. Platz 105. Ordentlich. Leider auch hier Freizeit und Natur eher mangelhaft. Wenig Erholungsfläche in den Haßbergen. Ich lach mich tot. Aber immerhin eine vorbildliche Wahlbeteiligung. Bravo, Frau Bär.

Nummer eins in Deutschland: München. Was sonst.

Gewinner des Gesamt-Rankings ist übrigens die bayerische Landeshauptstadt. Natürlich. München. Was auch sonst. Eine Stadt, in der sich ein Normalsterblicher kaum eine Wohnung und einen KITA-Platz für seine Kinder leisten kann, bietet die höchste Lebensqualität in Deutschland. Bitte nicht falsch verstehen. München ist toll, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Aber in einer Studie, die Eheschließungen und die Wahlbeteiligung als Indikator für Lebensqualität im Bereich Freizeit und Natur heranzieht, darf das Ergebnis doch zumindest kritisch beäugt werden.

Lebensqualität heißt am Ende doch für jeden etwas anderes. Und ist mit Zahlen wohl eher schwer festzumachen.

Hier geht’s zur Studie

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